Tyll

Daniel Kehlmann hat seinen Roman „Tyll“ sehr vielschichtig angelegt.

 

Die Gräuel des 30jährigen Krieges, die Plage der Pest, die plündernden und mordenden Söldner sind allgegenwärtig.

Die handelnden Personen charakterisiert der Autor anschaulich und unverwechselbar.

 

Friedrich V als „Winterkönig“ verspottet, eine tragische Figur, die unter ihrem Machtverlust leidet, seine hochsensible, intelligente Gemahlin Elisabeth Stuart, der machtgierige Schweden-König Gustav Adolf, der Weltenwanderer Fürst Wolkenstein, der perfide Jesuit Athanasius Kircher, der die Hexenverfolgung vorantreibt und nicht zuletzt die Gaukler, die durch das Land ziehen.

 

Tyll selbst kommt mal als Spötter daher, der seine Zuschauer zu äußerster Wut treibt und den Marktplatz zum Kochen bringt, an anderer Stelle ist er der mitleidsvolle Begleiter, der den sterbenskranken König zu seiner letzten Ruhestätte führt.

Er bringt die Menschen zum Lachen mit seinen unverhohlenen Sprüchen, er hält ihnen den Spiegel vor und verspricht, mit Hilfe einer weißen Leinwand könne man den wahren Menschen erkennen.

 

Der Gaukler Tyll verhält sich wie ein Jonglierball, mal verschwindet er, lässt Raum für neue Figuren, um an anderer Stelle wieder auf zu tauchen.

 

Daniel Kehlmann ist mit seinem Werk ein treffsicherer Blick auf die Zeit des 17.Jahrhunderts gelungen, und wenn man genau hin sieht, meint man auch Zeitgenössisches darin zu erkennen.

Für Sie gelesen von Susanna Heidemann

Kehlmann, Daniel
Rowohlt Verlag
ISBN/EAN: 9783498035679
22,95 €
Kehlmann, Daniel
Argon Verlag GmbH
ISBN/EAN: 9783839816042
29,95 €